Judoka für Japan: Alexander Wieczerzak

Geboren am: 22.03.1991
Größe: 1,83 m
Beruf: Sportsoldat
Graduierung: 3. Dan
Aktiv seit: 1997
Trainer: Richard Trautmann
1. Trainer: Lutz Befuß
1. Verein: Frankfurter TV 1860

Zwei Mal war er schon Weltmeister. 2010 als Junior im marokkanischen Agadir. Dort setzte er sich in einem rein deutschen Finale gegen Hannes Conrad durch. Und dann 2017 in Budapest der große Coup. Er begeisterte alle mit seinen Kämpfen und wurde Weltmeister bei den Männern. 2018 bestätigte er mit seiner Bronzemedaille noch einmal seinen WM-Vorjahressieg.

Im Kampf um das Olympiaticket musste er allerdings so manchen Rückschlag hinnehmen. Gesundheitsbedingte Ausfälle, aber auch so manchen nicht so erfolgreichen Wettkampftag. Derzeit ist er mit 1907 Punkten auf Platz 37 der Weltrangliste und ist im Bereich der Olympianorm. Allerdings hat er mit Dominic Ressel einen noch erfolgreicheren Deutschen vor sich. Die Weltmeisterschaften Anfang Juni werden letztendlich die Entscheidung bringen.

Als Kind hatte Alexander Wieczerzak sehr viel Energie und deshalb hat ihn seine Mutter beim Judo angemeldet. Ein Schritt, der für sein ganzes bisheriges Leben prägend war. „Judo ist für mich der Bestandteil, der den größten Teil meines bisherigen Lebens ausgemacht hat. Judo ist sowohl meine Leidenschaft, als auch mein Beruf“, beschreibt er die Faszination seiner Sportart.

Im Laufe der Jahre hat er an immer mehr Wettkämpfen erfolgreich teilgenommen. Je erfolgreicher er wurde, umso mehr ging die Entwicklung in Richtung Leistungssport. „Das war am Anfang eine ganz natürliche Entwicklung und ohne Druck.“

Begonnen hat er in Frankfurt am Main. „Mein Trainer Lutz Befuß hat in mir die Leidenschaft fürs Judo geweckt.“ Nach sechs Jahren wechselte er zum Judoclub Rüsselsheim, da dort neue Trainingspartner waren und er dort in die Bundesliga eingestiegen ist. Da wurde er auch erstmalig in der Gewichtsklasse -66 kg unter dem Trainer Patrick Kuptz Deutscher Meister. „Meine Judokarriere konnte sich dann aber mit einem normalen Schulalltag nicht mehr vereinbaren, deshalb wechselte ich im Jahr 2005 auf das Heinrich-Heine-Gymnasium Kaiserlautern, eine Eliteschule des Sports. Dort bekam ich die nötige Struktur, um mich sowohl auf das Abitur, als auch auf wichtige Wettkämpfe vorbereiten zu können.“

Im Jahr 2009 wechselte er dann zum Judo Club Wiesbaden, bei dem er heute noch Mitglied ist. Seit dem Abitur im Jahr 2012 trainiert er am Olympiastützpunkt in Köln. Dort begann auch seine Sportsoldatenzeit. „Die Bundeswehr ermöglicht es mir, mich voll auf meine sportliche Karriere zu konzentrieren.“ Nebenbei studiert er Betriebswirtschaftslehre im Fernstudium.

Als Vorbild sieht er vor allem alle seine Trainer und Wegbegleiter. „Sie haben mich ein Stück weit geprägt und mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.“ Allerdings hat er abgesehen vom Sport große Achtung für einen besonderen Menschen. „Der Disrupteur der Uhrenbranche, Jean-Claude Biver. Er erfindet die Uhrenwelt immer wieder neu und bleibt sich dabei selbst treu. Das finde ich faszinierend.“

Alexander Wieczerzak wurde 2017 Weltmeister!

Nach der Olympiazeit geht er davon aus, dass wohl alle Athleten eine Sportpause bekommen und anschließend generell abwarten, wie sich die Lage wegen der Corona-Pandemie entwickelt. Auf jeden Fall kann er dann auch hoffentlich weiter seinen Hobbies frönen. „Neben dem Judo verbringe ich gerne Zeit mit Freunden, zum Beispiel bei gemeinsamen Kochabenden. Das Hobby kam während der Pandemie natürlich zu kurz, weshalb wir über Videochats den Kontakt gehalten haben.“

Nach den Lebensvorstellungen nach der leistungssportlichen Zeit befragt, antwortet Alexander: „Ich glaube, dass diese Zeit für jeden Leistungssportler schwer vorzustellen ist. Judo begleitet mich schon mein ganzes Leben lang und wird nach meiner sportlichen Karriere immer noch ein Teil von mir sein. Wie genau und in welcher Form, weiß ich noch nicht.“

Nun konzentriert er sich aber auf jeden Fall noch einmal auf das Ziel Olympische Spiele. „Der unbedingte Wille zum Erfolg und die Disziplin sind Stärken, die ich noch einmal ausspielen will. Was ich mir vorgenommen habe, möchte ich unbedingt erreichen. Darin liegt auch meine Schwäche – ich bin sehr ungeduldig.“

Für ihn sind Olympische Spiele ein großer Traum, der mit vielen Erwartungen verbunden ist. „Unter normalen Umständen, würde ich sagen, dass Menschen aus der ganzen Welt für dieses eine Ereignis an einem Ort zusammenkommen und die Stimmung einem Hexenkessel gleicht. Olympia ist der Ort, an dem sich ganz viele sportliche Träume vereinen und eine unvergleichliche Energie entsteht. Zumindest der unbeschwerte Teil wird in diesen Spielen wegfallen.“

Alexander Wieczerzak ist auf Instagram unter wieczerzak zu finden.


Fragen an Alexander Wieczerzak

Was treibt Dich an?

Mein innerer Antrieb ist der unbedingte Wille zum Erfolg. Dem Willen ordne ich alle anderen Dinge unter.

Wie schaffst Du es, Deinen inneren Schweinehund zu überlisten?
Indem ich ihm gezielt Beachtung schenke. Ich gebe ihm bewusst einen Tag nach, die Entscheidung wann, treffe allerdings ich selbst. An diesem Tag esse ich was ich will, schaue TV oder faulenze. Aber ich entscheide wann – nicht mein innerer Schweinehund. Als kleiner Tipp: ihr habt immer eine Wahl und könnt bewusst entscheiden.

Was gefällt Dir an Dir besonders?

Meine Disziplin, die ich aufbringe, um ein Ziel zu verfolgen.

Auf welche eigene Leistung bist Du besonders stolz?

Auf meinen Bronze-Platz bei der WM 2018. Der Druck nach dem Gewinn der Goldmedaille war so hoch, dass ich mir eine weitere Platzierung selbst beweisen wollte und ich habe es geschafft.

Gibt es ein Ritual/Glücksbringer beim Wettkampf?

Tatsächlich nicht, hatte ich noch nie ;)

Was magst Du an Dir gar nicht?

Meine Ungeduld, wenn manche Prozesse etwas länger dauern.

Wie kannst Du am besten entspannen?

Im Kreis meiner Familie und engsten Freunden.

Was ist Deine Lieblingsspeise, die Du Dir wünschst, wenn Du nach Hause zu den Eltern kommst?

Alles, was meine Mutter kocht, ist köstlich.

Worüber kannst Du am meisten lachen?
Wenn unverhofft lustige Situationen aufkommen, mit denen ich nicht gerechnet habe.

Als Kind/Jugendlicher wollte ich sein wie….?

Ich habe tatsächlich noch nie einem Vorbild nachgeeifert, sondern mir immer von Jedem das abgeschaut, was ich gerne hätte.

Wem würdest Du mit welcher Begründung einen Orden verleihen?

Meiner Mutter – sie ist immer für mich da und hat alles aufgeopfert, damit es mir gut geht.

Was ist für Dich eine Versuchung?

Eiscreme.

Schenke uns (D)eine Lebensweisheit:

„Von nix kommt nix“.

 

Text und Interview: Birgit Arendt