Tokio-Portrait: Oliver Upmann (-100 kg)

In den Tokio-Portraits stellen wir Euch nach und nach unsere Para-Judoka für die Paralympics in Tokio vor. Heute ist Heute ist Oliver Upmann (-100 kg) an der Reihe.

28.08.2021 von [Birgit Arendt]

Fakten:

Geboren am:  23.06.1988
Größe:            1,82 m
Beruf:             Sachbearbeiter im Verkehrsverbund Rhein-Neckar
Graduierung:  3. Dan
Aktiv seit:        1994
Trainer:           Carmen Bruckmann / Stefan Saueressig
1. Trainer:       Klaus Büchter
1. Verein:        1. FC Stella Bevergern

Oliver Upmann nimmt an seinen dritten Paralympischen Spielen teil. In London wurde er Fünfter, in Rio de Janeiro Neunter. In der Qualifikation platzierte er sich bei Welt- und Europameisterschaften und gewann Medaillen bei Grand Prixs. Damit sicherte er sich die dritte Qualifikation und startet in Tokio in der Klasse -100 kg.

Seit seiner Geburt leidet er unter einer Netzhautdystrophie. „Das bedeutet, dass mit der Zeit meine Netzhaut abstirbt. Dadurch ist mein Licht-, Farb- und peripheres Sehen beeinträchtigt.“

Zum Judo ist er durch seine älteren Brüder gekommen. „Als ich ‚groß‘ genug war, durfte ich mit.“ Angefangen hat er 1994 in der Judoabteilung des 1. FC Stella Bevergern und hatte 2002 die erste Teilnahme bei Internationalen Deutschen Einzelmeisterschaften im Judo für Sehgeschädigte. Dort gab es die erste Kontaktaufnahme mit den Bundestrainern. Danach ging es recht schnell aufwärts. 2005 nahm er zum Beispiel an den Junioren-Weltmeisterschaften im Judo für Sehgeschädigte teil. So richtig in Fahrt kam für ihn der Leistungssport nach dem Abitur. „Ich bin nach meinem Abitur 2009 nach Mannheim in die Metropolregion Rhein-Neckar gezogen, da die Bundestrainer für Sehgeschädigte Carmen Bruckmann und Stefan Saueressig sowie einige Athleten der damaligen Nationalmannschaft in der Region gewohnt und trainiert haben.“

Judo bedeutet für ihn mehr als nur körperlicher Leistungssport. „Neben dem direkten Zweikampf – Mann gegen Mann – ist es ein sehr vielseitiger Sport, in dem das technische Geschick, Ausdauer, Kraft und mentale Stärke gleich wichtig sind. Judo ist für mich eine ganze Lebenseinstellung geworden. Die (Judo-)Werte begleiten mich durch mein ganzes Leben.“ Daraus entwickelten sich sicher auch seine Stärken im Leben. „Meine Trainingspartner würden jetzt antworten, dass ich neben meinem Ehrgeiz absolut zuverlässig, fokussiert und zielorientiert bin. Zu meinen Schwächen zählt sicher ein wenig meine mangelnde Kondition“, gibt er kritisch zu.

Sein emotionalster Erfolg war für ihn der gewonnene Kampf gegen den britischen Kämpfer bei den Paralympics in London vor britischem Publikum. „Es ein wahrer Gänsehautmoment.“

Nach seinem Vorbild befragt, nennt er einen besonderen Mann. „Rocky Balboa aus der gleichnamigen Filmreihe. Rocky hat mich inspiriert, da er als einfacher Sportler, ohne wirkliche Chancen und trotz ärmlicher Verhältnisse an seinen Zielen und Träumen festgehalten hat. Er hat zum richtigen Zeitpunkt seine Chance ergriffen, um seinen Traum zu verwirklichen. Im Laufe seiner Profi- und Leistungssportkarriere hat er trotz steigendem Druck und Erfolg nie seine Wurzeln vergessen.“

Der erfolgreiche Judoka studierte nach seinem Abitur parallel zum Leistungssport Finanzdienstleistungen und Corporate Finance auf Bachelor. 2013 schloss er den Master in Finance and Accounting, beides an der Hochschule Ludwigshafen, ab. „Parallel konnte ich als Werksstudent von 2014 – 2016 erste Berufserfahrungen im Controlling sammeln und arbeite seit 2017 in der Einnahmenabteilung beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar.“ Dort wird er sich nach den Paralympics intensiver in seine neue Funktion als stellvertretener Abteilungsleiter einbringen.

Nach den Paralympics wird er erst einmal eine längere sportliche Pause einlegen. Ich erwarte im Oktober Nachwuchs. Mit dem Vatersein und der damit verbundenen neuen Herausforderung steht dann das Familienleben im Vordergrund.“ Dann kann er vielleicht auch seinen Lieblingsbeschäftigungen mehr nachgehen. „Ich treffe mich gerne mit Freunden und liebe es zu kochen. Wenn ich mal Zeit finde, dann gehe ich gerne mit meiner Frau ins Kino.“

Nun bereitet er sich aber erst einmal auf seinen Wettkampf am Sonntag vor. „Ich will mit voller Leidenschaft um Medaillen kämpfen“, formuliert er sein Ziel.

Oliver Upmann ist auf Facebook zu finden unter: www.facebook.com/oliver.up


Fragen an Oliver Upmann:

Was treibt Dich an?
Der Wille meine Ziele zu erreichen.

Wie schaffst Du es, Deinen inneren Schweinehund zu überlisten?
Routine und auch zu trainieren, wenn man keine Lust hat und zu wissen, dass man alles gegeben hat

Was gefällt Dir an Dir besonders?
Mein Ehrgeiz

Auf welche eigene Leistung bist Du besonders stolz?
Dass ich den Leistungssport, Beruf, Familie und Freunde unter einen Hut bekomme

Gibt es ein Ritual/Glücksbringer beim Wettkampf?
Ich habe kein besonderes Ritual

Was magst Du an Dir gar nicht?
Das ist so wenig Zeit für meine Familie und Freunde habe

Wie kannst Du am besten entspannen?
Auf der Couch

Was ist Deine Lieblingsspeise, die Du Dir wünschst, wenn Du nach Hause zu den Eltern kommst?
Grünkohleintopf

Worüber kannst Du am meisten lachen?
Gute Wortwitze

Als Kind/Jugendlicher wollte ich sein wie….?
Ich wollte sein wie Bud Spencer; groß, stark und mit einer riesigen Portion Humor

Wem würdest Du mit welcher Begründung einen Orden verleihen?
Ich würde jedem einen Orden verleihen, der morgens aufsteht und sein Bestes gibt und sein Potential sinnvoll einsetzt, um sich persönlich zu entfalten und weiter zu entwickeln.

Was ist für Dich eine Versuchung?
Eine Nacht im Süßwarengeschäft

Schenke uns (D)eine Lebensweisheit:
Wer kämpft kann verlieren, aber wer nicht kämpft hat schon verloren.